Lesen sie hier einen geschichtlichen Rückblick von der Gründung bis 1904

Übersetzung einer Originalaufzeichnung von 1924 (Hugo Günther) mit freundlicher Unterstützung von Frau Weißer!

Rückblick über die Entstehung und die Tätigkeit der
Freiwilligen Feuerwehr zu Einsiedel in der Zeit vom 21.04.1879 bis 21.4.1904

Die Wehr wurde gegründet am 21.04.1879 von folgenden Herren:

Linus Lohs (Fabrikant), Hermann Leimbrock, Anton Erhardt, Kamillo Schubert,
Linus Arnold, Julius Stöckel, Kurt Felber, Hermann Lohs, Alwin Lohs, Theodor Lohs,
Louis Schetelich , Friedrich Stiegler, Kurt KreherErnst Jäckel, Hermann Bochmann, Wilhelm Weihser, Moritz Burkert, Moritz Uhlig, Bernhard Uhlig, Ernst Neubauer, Kurt Beier, Emil Gläser, Robert Reichel, August Heckert, Karl Seihs, Kurt Kunze,
Robert Müller, Karl Därr, Otto Metzner, Anton Arnold, Wilhelm Neubert, Emil Müller, Bernhard Viertel.

Insgesamt 33 Kameraden

Als Gründer standen am 21.04.1904 nur noch 3 Mann in den Reihen der Wehr. Es waren dies die Kameraden Obersignalist Karl Därr, Kassierer Linus Arnold und (Pionier) Kurt Beier. Als Jubilar geht Obersignalist Därr hervor, welcher der Wehr in Freud und in Leid treu geblieben ist. Linus Arnold ist im Juli 1883 ausgetreten und im Juni 1885 wieder eingetreten. Kurt Beier ist im Juli 1884 ausgetreten und im Januar 1885 wieder eingetreten. Der Wehr sind in der Berichtszeit 312 Mitglieder beigetreten und 263 freiwillig ausgetreten. 6 Mitglieder sind der Wehr durch den Tod entrissen worden und zwar die Kameraden:
Linus Kreihsig im Jahre 1884, Moritz Uhlig im Februar 1887, Kurt Hayn 10.3.
Kurt Wolf 21.8. und Emil Opitz im Jahre 1894, Bernhard Schreiter im Jahre 1896

Ehre ihrem Andenken

Als Hauptleute haben folgende Herren der Wehr vorgestanden:
Linus Lohs von der Gründung bis 21.05.1883
Richard Hillig vom 21.05.1883 bis 29.09.1884
Franz Lempe vom 29.09.1884 bis 30.06.1902
Ottomar Günther vom 30.06.1902 bis dato (20.05.1924)
Herr Branddirektor Lempe wurde bei seinem Rücktritt zum Ehrenhauptmann ernannt.

In den verflossenen 25 Jahren sind 325 Übungen abgehalten worden mit einer Teilnehmerzahl von 79% und 278 Monats- und Generalversammlungen mit einer Teilnahme von 77%. Ferner haben an 9 Führerkursen 17 Kameraden teilgenommen.
An 2 Samariterkursen welche Dr. med. Veit und Dr. med. Braune geleitet wurden nahmen 14 Kameraden teil, die im Samariterdienst ausgebildet wurden. Inspiziert wurde die Wehr in den Jahren 1880, 1890, 1896 und 1902.

An den deutschen Feuerwehrtagen nahmen teil:
In Dresden am 7.7.1880 7 Kameraden
In München1893 2 Kameraden
An den sächsischen Feuerwehrtagen nahmen teil:
1884 in Zwickau 3 Mann
1887 in Pirna 4 Mann
1896 in Grimma 2 Mann
1899 in Annaberg 11 Mann
1902 in Meissen 8 Mann
Die technischen Feuerwehrtage 1889 in Chemnitz und 1891 in Freiberg wurden von mehreren Kameraden besucht.
Bei Bränden war die Wehr tätig am:
12.08.1880 Großfeuer Filzfabrik Dittersdorf mit 17 Mann
31.12.1880 Großfeuer Lempesche Maschinenfabrik Einsiedel mit 31 Mann
31.01.1881 Großfeuer Obere Mühle Einsiedel mit 25 Mann
23.06.1882 Mittelfeuer Brand eines Seitengebäudes in Erfenschlag mit 26 Mann
21.02.1883 Dielenbrand Wex & Söhne Einsiedel
03.06.1883 Mittelfeuer in Erfenschlag (nicht in Tätigkeit getreten)
25.04. 1884 Brand in Erfenschlag (nicht in Tätigkeit getreten)
14.01.1886 Großfeuer Brand der Stadtgutscheune Einsiedel mit 35 Mann
21.05.1887 Großfeuer Brand des Rittergutes in Dittersdorf mit 32 Mann
29.09.1887 Großfeuer Brand des Zimmermannschen Gutes in Erfenschlag ausgerückt wegen Wassermangels (nicht in Tätigkeit getreten)
02.11.1890 Großfeuer Brand der Richterschen Strumpffabrik in Berbisdorf mit 15 Mann
15.11.1890 Großfeuer Brand der Scheune Zimmermannsches Gut in Erfenschlag
(nicht in Tätigkeit getreten)
20.02.1891 Großfeuer Brand der Wattefabrik Schreiber & Co in Einsiedel
05.04.1892 Großfeuer Brand Strumpffabrik Wex & Söhne
10.04.1892 Großfeuer Brand der Stiefelmühle in Erfenschlag  mit 17 Mann
18.04.1892 Waldbrand bei Kemtau mit 20 Mann
20.04.1892 Brand eines Hauses in Dittersdorf mit 20 Mann
02.07.1892 Kleinfeuer in der Strumpffabrik C.F. Lohs
30.07.1892 Ladenbrand im Stollschen Hause in Einsiedel
25.08.1892 Feuer in Erfenschlag Brand der Lohrschen Tischlerei
(nicht in Tätigkeit getreten)
04.10.1892 Gr0ßfeuer Brand des Uhligschen Hauses in Altenhain
(nicht in Tätigkeit getreten)
26.11.1892 Gr0ßfeuer Brand des Schefflerschen Hauses in Altenhain
(nicht in Tätigkeit getreten)
26.01.1894 Brand der Wattefabrik in Einsiedel
23.08.1895 Brand der Korksteinfabrik in Einsiedel
13.05.1897 Brand des Seitengebäudes des Dittrich-Guts in Einsiedel
18.04.1900 Brand des Seitengebäudes des Gasthofs Altenhain (Goldener Hahn)
08.10.1900 Brand in der Fabrik Franz Hahn in Einsiedel
18.11.1900 Stubenbrand im Flöterschen Hause Hauptstraße 63 in Einsiedel
30.04.1901 Bran des Seitengebäudes, der Fritz Kempe, Johan Gutel, Gebrüder Barthel, Karl und Anton und 2 Kinder Bochmann verbrannt in Einsiedel
08.05.1902 Brand des Schlachthauses bei Fritz Lohs in Einsiedel
05.01.1903 Brand des Papiermaschinensaales der Papierfabrik Einsiedel
14.03.1903 Brand des Pfarrhauses (Pastor Pöschmann)
04.06.1903 Feuer im Ort (nicht in Tätigkeit getreten)
23.06.1903 Feuer in Dittersdorf (nicht in Tätigkeit getreten)
30.12.1903 Brand der Filzfabrik in Dittersdorf
29.01.1904 Brand des Dachstuhles des Kaiserschen Hauses in Einsiedel
31.01.1904 Deckenbrand im Reuschelschen Hause in Einsiedel

Insgesamt 37 Brände

Die Wehr erhielt 3 x die 1. und 1 x die 2. Prämie. Außerdem erhielt sie Geschenke in Höhe von 80,00 M von der Firma Richter Strumpffabrik in Berbisdorf, 75,00 M von der Firma Wex & Söhne in Einsiedel, 40,00 M von der Chemnitzer Papierfabrik in Einsiedel und 25,00 M von der Forstverwaltung (Waldbrand). Die Wehr war ferner bei Hochwasser tätig in der Nacht vom 30./31. Juli und in der Nacht vom 13./14. September 1899. Durch Beschluss des Gemeinderates erhielt die Wehr ein Geldgeschenk von 50,00 M.
Dienst wurde ferner geleistet: Wachen bei Gewittern, Theaterwachen usw.


An Geräten wurden beschafft bzw. bei Gründung übernommen:
Bei der Gründung 1879 übernommen:
eine vierrädrige Wagenspritze (Saug- und Druckspritze) diese ist erbaut im Jahre 1797 von Fa. La Mars in Dresden. Im Jahre 1880 wurden beschafft 1 Stützenleiter,
1 Anstellleiter, 2 Berliner Hakenleitern. Im Jahre 1882 bekam die Wehr eine vierrädrige Saug und Druckspritze 130 mm Zylinderweite, erbaut von der Firma Baldauf in Chemnitz, eine freistehende Leiter und zweirädrigen Leiterwagen. Im Jahre 1899 zwei
2 holmige Hakenleitern. Im Jahre 1903 einen Rettungsschlauch von 12 Metern Länge. Im Jahre 1897 wurde für die Wehr ein eiserner Steigerturm von 10 Meter Höhe errichtet. Sämtliche Geräte und Ausrüstungsstücke wurden von der Feuerlöschkasse der Gemeinde Einsiedel beschafft. Außerdem erhält die  Wehr jährlich 120,00 RM für dringliche Ausgaben. Ehrenhauptmann Lempe erhielt für seine Verdienste im Feuerlöschwesen von Seiner Majestät dem König von Sachsen das Ritterkreuz 1. Klasse vom Albrechtsorden. Karl Därr erhielt durch den Landesausschuss
Sächs. Feuerlöschwesen das Ehrendiplom für 20 jährige Dienstzeit und das
königliche Ehrenzeichen für 25 jährige Dienstzeit. 14 Mitglieder der Wehr tragen die Dienstauszeichnung für 10 jährige Dienstzeit. Die Wehr besteht zurzeit aus
1 Ehrenhauptmann, 2 Hauptleuten, 2 Zugführern, 8 Steigern, 2 Pionieren,
27 Spritzenmannschaften, zusammen 42 Mann.
Außerdem gehören der Wehr 25 passive Mitglieder an.
Möge es der Wehr vergönnt sein, allzeit Männer zu finden, die bereit sind ihr Leben einzusetzen, wenn es gilt Gut und Blut ihrer Mitmenschen zu retten.

Ich schließe diesen Bericht mit den Worten:
Gott zur Ehr, dem nächsten zur Wehr. Einer für alle, alle für einen.

N.B. Anlässlich des 25 jährigen Bestehens der Wehr vom seinerzeitigen stellv. Hauptmann Bruno Messig verfasst und vorgetragen. Anlässlich des 50 jährigen Bestehens der Wehr aus einer Urschrift für die Akten ausgefertigt.


Hugo Günther
z.Zt. Hauptmann